Freitag, 26. April 2019

Je me souviens ...



Heute Nachmittag erinnerte ich mich an eine Begegnung mit Schwani. Es war an einem Endachtzigerfreitagabend im Bierbrunnen. Ich stand an der Theke, trug ein schwarzes Lederkleid mit tiefem Rückenausschnitt und hielt in der Rechten vermutlich einen Gin Tonic und in der Linken eine Zigarette. Plötzlich spürte ich einen Kuss zwischen meinen Schulterblättern. Ich stellte das Glas ab, dreht mich um, und meine Hand wollte schon ausholen … Da stand Schwani vor mir, neigte den Kopf auf dem langen Hals leicht zur Seite und grinste entschuldigend: „Beim Anblick einer so schönen Frau konnte ich nicht anders.“ Dieser Moment muss so charmant gewesen sein, dass ich ihn als Souvenir abgespeichert habe.

Paradiesvogel in paradise

Foto: Wilfried Beege

Wie heißt der Schwani eigentlich mit richtigem Namen? Mit Hans-Peter Reisinger konnten die Wenigsten etwas anfangen. Schwani, den Paradiesvogel, kannten alle. Wenn er in den 80ern die Tanzfläche des „Ocean“ in Oberkirch betrat, wurden alle übrigen Besucher zu Zaungästen. Wenn er in den 90ern in selbstgeschneiderten Röcken durch die Fußgängerzone flanierte, verlieh er dem beschaulichen Offenburg einen Touch von New York, London oder Paris. Sein Style hatte immer Stil. Seine Kreativität, seine Fantasie, sein Sinn fürs Schöne machten Schwani zu einem Ausnahmemenschen. Nicht vorstellbar, ihn nicht mehr im #Schoellmanns bei Kaffee und Zeitung, beim Blumenauszupfen im Garten der #Zauberflöte oder auf eine kurze Plauderei auf dem Wochenmarkt zu treffen …
Schwani hat Offenburg bunt gemacht. So, wie #beegee Wilfried Beege ihn fotografierte.
R.I.P.


Hello again!



Morgen im ZDF: 50 Jahre Hitparade
Eine ganze kleine Kindheit lang gehörte die ZDF-Hitparade zum Samstagabend wie Fichtennadel-Bad und Haarshampoo in Augen und Ohren. In Lenor-weichen Frotteebademänteln saßen meine Schwester und ich nebeneinander auf dem Sofa und warteten, bis Erkennungsmelodie und Publikumsapplaus von Dieter Thomas Heck unterbrochen wurden: „Hier ist Berlin! Das Zweite Deutsche Fernsehen präsentiert Ihnen ...“ Wir schlürften unsere Bluna durch Strohhalme und waren aufgeregt, welche Interpreten auftreten würden. Wir kannten sie alle: Cindy & Bert, Chris Roberts und Bernd Clüver, Howard Carpendale und Jürgen Marcus, Rex Gildo und Tony Holiday, Gitte und Wencke Myrhe, Bata Illic und Daliah Lavi … Ich wundere mich noch heute, wie textsicher wir jeden Schlager mit unseren Kinderstimmchen mitsangen. Am Sonntagmorgen, wenn die Eltern ausschliefen, rückten wir unseren kleinen Tisch mit der rot lackierten Platte und den dunkelgrün gestrichenen Beinen in die Mitte des Kinderzimmers. Er war die Bühne, auf der wir abwechselnd performten. Meine Schwester schmetterte „Wir lassen uns das Singen nicht verbieten“ von Tina York. Mein Beifall war ihr sicher, und dann war ich mit einem Liedchen an der Reihe. Wie lange das alles zurückliegt, wurde mir wieder einmal bewusst, als meine Tochter Lea mich zur Aufzeichnung von „50 Jahre Hitparade“ in der Baden Arena in Offenburg einlud. Für #KimmigEntertainment war sie backstage und ich stand und sang wie alle 1600 Zuschauer in der Halle mit Howard Carpendale, Purple Schulz, Wencke Myrhe und Co. Morgen, Samstag, 20.15 Uhr, wird die Show im ZDF ausgestrahlt. Freut euch auf Marianne Rosenberg, Michael Holm, Heino, David Hasselhoff und viele andere altbekannte Gesichter. Moderiert wird das Hitparaden-Revival von Thomas Gottschalk, der seiner neuen Freundin in der zweiten Reihe einen Blumenstrauß zuwarf. Das wird im Fernsehen vermutlich nicht zu sehen sein.


Lea Dahmen & David Hasselhoff

Montag, 15. April 2019

Notre-Dame


Es war im Frühling 2003. Ich fuhr mit meiner elfjährigen Tochter nach Paris, in der Hoffnung ihre Liebe zur französischen Sprache zu wecken. Wir wohnten in einem billigen Hotel auf dem Montmartre mit einem schmalen Fenster zu einem verwilderten Garten. Im Minutenabstand vibrierte mein altes Handy, begleitet von einem schmerzhaften Sirenenton, der nicht zu unterdrücken war. Er begleitete uns zu Trocadéro und Eiffel-Turm, zu Sacré-Coeur und in die kleinen Souvenir-Läden, die es meiner Tochter angetan hatten. Indessen sie bei jeder Meldung die Augen verdrehte und Verkäuferinnen erschrocken zusammenzuckten, hüpfte mein Herz bei allen SMS, die ich empfing. Wenige Tage zuvor war eine Jugendliebe wie ein Bumerang in mein Leben zurückkehrt. Wir hatten uns weder gesehen, noch gesprochen, und die 160 Zeichen, auf die der Short Message Service begrenzt war, genügten bei Weitem nicht, um zwei Jahrzehnte zu rekapitulieren. Wir schlenderten durch das Marais, über die Pont Notre-Dame und standen vor dieser fantastischen Kathedrale, die meine Tochter aus dem Walt Disney-Film "Der Glöckner von Notre Dame" kannte. Sie liebte Esmeralda, trug an Fasnacht ihr Zigeunerinnen-Kostüm. Richter Claude Frollo droht in dem Zeichentrickfilm, frei nach dem historischen Roman von Victor Hugo, Paris niederzubrennen. Es wehte ein scharfer Wind, als wir an der Westfassade emporblickten zu den berühmten Grotesken der Galerie des Chimères. Sie war ergriffen. In diesem Moment klingelte mein Handy. Ich presste es ans Ohr. Und das Geläut von Notre-Dame, damals nur fünf Glocken, begann zu schlagen. Ich erkannte seine Stimme trotz der gewaltigen Lautstärke. "Ich weiß, wo du bist!", schrie er. "Der Glöckner von Notre-Dame mit Anthony Quinn als Quasimodo ist mein Lieblingsfilm." Vom Klang der Glocken getragen, schwebte ich über die Pont des coeurs zum Quai Saint-Michel und ließ meinen verträumten Blick über das antiquarische Angebot der Bouquinistes schweifen. Ein kleines Buch, in Folie verpackt, erregte meine Aufmerksamkeit: "L'ami retrouvé", "Der wiedergefundene Freund". Ich habe es nie gelesen, besitze es aber noch. 
Heute Abend ist mein Herz schwerer getroffen. Ich bin tief  traurig. Ich denke zurück an die Glocken von Notre-Dame, die an diesem Tag im Frühling nur für mich geläutet haben. 

Montag, 8. April 2019

Merci à tous !



Schön war unser Wochenende WORTE. YOGA. WUNDER. mit Yoga- und Mala-Workshops, Lesung, gym-girls etc. Danke an alle Besucherinnen und Besucher! #wunderwort #angelagwinner #physiotherapiepraxisvogel #martinavogel #kismetyogastyle #sandrabaur #carolinewacker #malawelt #gabymetz #katjafoos 









Montag, 1. April 2019

Schönes Wochenende !



WORTE. YOGA. WUNDER. heißt es am Wochenende in der Friedrichstraße 34 in Offenburg bei WUNDER(W)ORT (ehemals Bäckerei Laug). In der wunderschönen Location von Angela Gwinner/ Wunderwort gibt es Postkarten und Kunstdrucke, Malaketten von Gaby Metz/ Malawelt, Yogawear von Sandra Baur/ Kismet Yogastyle und Ute Dahmen liest aus ihren Büchern (Samstag & Sonntag jeweils 15 Uhr). Ein paar Häuser weiter, in der Physiotherapiepraxis Vogel, Friedenstraße 12, bieten Sandra Baur und Caroline Wacker Yoga-Kurse an (Samstag, 14 und 16 Uhr, Sonntag, 11 und 14 Uhr). Um 11 Uhr am Sonntag beginnt ein Mala-Workshop mit Gaby Metz/ Malawelt. Eine Teilnahme ist nur auf Anmeldung unter info@malawelt.de möglich. In der Praxis ist an beiden Tagen eine Ausstellung mit Katja Foos pink getuschten Gym-Girls zu sehen. 







Freitag, 29. März 2019

Ab ins Kloster!



Nie wäre ich auf die Idee gekommen, ein Format wie „Ab ins Kloster!“ auf Kabel eins anzusehen, hätte ich nicht gewusst, dass das Gengenbacher Mutterhaus Schauplatz der ersten Folge ist. Konzept der TV-Produktion: Vier Teenager, deren Alltag aus Abhängen, Alkohol, Schule schwänzen und/ oder Instagram und Styling besteht, sollen sich eine Woche ins Klosterleben integrieren. Während der Dreharbeiten im letzten Sommer war ich zweimal im Mutterhaus zu Gast und erlebte die Hingabe, aber auch die Zweifel der Schwestern an diesem „Experiment“. Die Produktionsfirma hatte vier besondere „Früchtchen“ ausgewählt, die das geregelte und friedliche Miteinander im Kloster aufmischten. Umso mehr beeindruckt war ich gestern Abend, als ich die Schwestern im Fernsehen sah. Mit welcher Ruhe und Einfühlsamkeit, aber auch Konsequenz sie den Herausforderungen begegneten. Meine Stars des Abends waren Sr. Michaela, Sr. Veronika, Sr. Margareta, Sr. Cäcilia, Sr. Gertraud und Sr. Hannah. Bestürzt war ich über die Respektlosigkeit und Oberflächlichkeit der 16- bis 19-Jährigen. Werte? Erziehung? Bildung? Umso erfreulicher war es, mit anzusehen, wie die arbeitslose Vivian und Gothic Emma die Anfangsschwierigkeiten überwanden und sich öffneten. 

2015 durfte ich viele Tage im Mutterhaus verbringen und die Schwestern auf einer Reise nach Chile und Peru begleiten. Wir waren 24/7 zusammen und ich lernte die Klosterfrauen als mutige, tatkräftige und mitten im Leben stehende Frauen kennen. Meine Erfahrungen habe ich in dem Buch „Sonnengesang. Unser Kloster ist die Welt. Wie Ordensfrauen heute leben, lieben, glauben und in die Zukunft gehen“ (Herder Verlag) veröffentlicht. 

Die komplette Folge „Ab ins Kloster!“ mit den Gengenbacher Franziskanerinnen gibt’s unter:
https://www.kabeleins.de/tv/ab-ins-kloster-rosenkranz-statt-randale/video/11-bibel-statt-handy-und-beichtstuhl-statt-dancefloor-ganze-folge